Austausch Schreinerlehrling

GESCHICHTEN AUS UNSERER SCHREINEREI

Dezember 2016:
Unser Lehrling Lennart Feist aus dem dritten Lehrjahr durfte einen Austausch machen zu einer Schreineri nach Mallow in Irland. Erfahrungen dieser Art finden wir sehr wichtig. Unsere Lehrlinge kommen bereichert zurück und oftmals können Sie danach auch noch mehr schätzen, was Sie hier in Deutschland, aber auch speziell bei uns in der Schreinerei für ein nettes, aussergewöhnliches Plätzchen erwischt haben.

Aktuell war Lennart Feist in Mallow, Irland.

Hier seine Meldung:

Guten Abend Frau Maier, guten Abend Herr Hofherr,

nun ist schon meine letzte Woche hier in Irland angebrochen.
Ich will mich nochmals herzlich bedanken, dass Sie mir dieses Auslandspraktikum ermöglicht haben.

Die Schreinerei hier vor Ort ist für mich sehr intessant. Es wird fast nur mit Massivholz gearbeitet. So entsehen hier viele Türen und Treppen.
Ab und an wird auch etwas restauriert.
Vieles läuft längst nicht so geordnet und sortiert ab, wie ich es aus Ihrem Betrib kenne :).
Doch daduch fängt man an zu improvisieren und denkt über andere Lösungsansätze nach.

Ich fliege am Montag zurück und bin ab kommenden Dienstag dann wieder in der Werkstatt.

Viele Grüße
Lennart Feist

Lehrlingsaustausch in eine Schreinerei nach Irland
Lennart Feist bei der Produktion von Türrahmen
lennart-in-mallow2
Wochenendausflug zu den Cliffs of Moher

 

April 2016:

Sarah Maier fragt Amir Sultani ein bisschen über seine Geschichte als jugendlicher Flüchtling aus…
Der 19 jährige Afghane arbeitete in den Pfingstferien eine Woche als Schnupperpraktikant in unserer Firma.

Sarah Maier: Amir, Du hast eine Woche Praktikum bei uns gemacht, wie hat Dir das gefallen?
Amir Sultani: Schön. Wunderbar, ich hab viel Spass gehabt und viel gelernt.

Du sprichst sehr gut Deutsch, seit wann lernst Du Deutsch? Ich bin seit Ende 2014 hier.

Du kommst aus Afghanistan. Wie bist Du hier her gekommen?
Zu Fuss und mit dem Boot.
Echt? ZU FUSS? Wie lange hat das gedauert? 6 Monate. Einmal bin ich auch 3 Tage unter einem Zug gehangen und ich war 20 Tage im Wald.

Wie bitte? Unter einem Zug gehangen? Wie geht das? Es geht. Es war kalt.
(Unbewegt berichtet er davon, ist ja auch vollkommen normal unter einem Zug zu hängen. Mehr war dazu nicht aus ihm herauszukriegen, er fährt dann fort: )
ich war 4 Monate in Griechenland und danach in Mazedonien. Ich bin bis Ungarn gelaufen und dann mit einem Auto hierhergekommen, direkt nach Stuttgart.

Echt? Mit wem? Mit Schleppern.
(Das sagt er ganz frei raus als wäre das ein Busunternehmen.)
Cool. Wie findet man die?
(Es kommt keine Antwort.)
Was hat das gekostet? Von Ungarn bis Deutschland 400.-

Wie hast Du das finanziert? Ich habe in Griechenland gearbeitet. Und warum braucht man für das letzte Stück einen Schlepper? Ich weiss nicht, wo Deutschland ist. Oder Österreich. Ich hätte nicht gewusst wie, hierher kommen. Mit Pass oder wie? Nein. Wir waren zwei Tage in Ungarn im Gefängnis. Danach habe ich sofort einen Schlepper angerufen und er hat gesagt, „wir warten auf ein Auto und dann fahren wir von Budapest los“.
Und Du bist aufrecht im Auto gesessen, so mit rausgucken und so? Ja. Cool!

Warst Du nervös? Ahhh, ja!!!

Und dann, wie war es in Stuttgart anzukommen? Anzukommen, hm, ich hab nie gedacht, dass hier Deutschland ist, Germany. Ich hab gefragt „ist hier „Germany?“ alle sagten „nein hier ist Deutschland“, und dann dachte ich, „ich bin im falschen Land!“

Und dann? Dann kam die Polizei, und ich sagte „ich habe keinen Ausweis“. Ich bin dann direkt in das Kernerheim in Stuttgart. Ich war damals 17 Jahre alt.

Was machst Du am liebsten, wenn Du in Stuttgart bist? (er denkt lange nach) Schlossplatz oder Kino.

Magst Du deutsches Essen? Eigentlich nein. (Ha, das ist mal ehrlich! Soll er mal zu unserem Mittagstisch kommen!)

Unser Praktikant Amir aus Afghanistan
Unser Praktikant Amir aus Afghanistan

Willst Du gerne in Stuttgart bleiben? Ja, auf jeden Fall!

Wann wirst Du deine Familie wieder sehen? Keine Ahnung, vielleicht nächstes Jahr.

Und Du wolltest aber von Anfang an nach Deutschland? Ja. Schon immer. Weil ich glaube, Deutschland ist besser.

Was meinst Du mit besser? Besser als was? Einfach nur besser.

Und hast Du Deine Entscheidung bereut? Nein, noch nicht.
(Auch interessant. Und ehrlich. Er ist sich bewusst, dass sich das noch ändern könnte, denke ich so bei mir).
Bist Du allein hier? Ja. Die 6 Leute mit denen ich gelaufen bin, sind meine Freunde. Mit einem wohne ich in Stuttgart.

Sprichst Du mit Deiner Familie? Ja, einmal in der Woche.

Was sind sie von Beruf? Mein Vater ist Bauarbeiter, meine Mutter ist Hausfrau.

War es Deine eigene Entschiedung, aufzubrechen nach Deutschland? Ja, mit 16 war klar, ich will nach Deutschland.

Was willst Du später tun? Ich will Schreiner lernen.

Echt? Wusstest Du das schon vor Deinem Praktikum bei uns? Ja. Mir gefällt daran, dass man kreativ sein kann, und gute Ideen braucht. Vorallem, man kann selber neue Ideen umsetzen.
(Das hat er immer wieder betont, das ihm gefällt, daß man seine eigenen Ideen verwirklichen kann. Das Schreinern erscheint ihm dafür die beste Möglichkeit, das ehrt uns!)

Wann willst Du mit der Schreinerlehre anfangen? Nach dem letzten Schuljahr Berufsschule im September 2017.

Hey, Amir, toll. Bewirb Dich unbedingt bei uns!

Amir pflanzt unseren neu entstehenden Garten ein. Hingebungsvoll und vorsichtig. Ich bin beeindruckt von seinem klaren Willen.
Amir pflanzt unseren neu entstehenden Garten ein. Hingebungsvoll und vorsichtig. Ich bin beeindruckt von seinem klaren Willen.

 

Nachbemerkung: Ich habe Amir beim Arbeiten gesehen, es war unglaublich präzise und konzentriert. Ich werde ihn mit großer Wahrscheinlichkeit als Lehrling nehmen, wenn er sich bewirbt. Schon jetzt denke ich darüber nach, was ich ihm vermitteln möchte, denn die dreijährige Lehrlingsausbildung ist bei allen unseren Azubis eine sehr wichtige Zeit und ich nehme unsere Aufgabe ernst. Ich denke, mein wichtigstes Anliegen wird sein, ihm nahezubringen, dass wir hier in Deutschland niemanden dafür bewerten, an was er glaubt und dass man hier auch leben sollte, indem man niemanden danach beurteilt, an was er glaubt. Wenn ich ihm diesen Wert nachhaltig beibringen kann, neben dem Schreinern, dann leisten wir einen guten Beitrag zu Deutschland ist besser.